Fünfte Abth. Erster Abschnitt.
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Grunde, und man kann, ohne sich auf die Art und Weise
einzulassen, wie solche hervorgebracht wird, von dem Betruge ¬
gar leicht überzeugt werden, wenn man bei einem Strome, ¬
in einiger Entfernung von demselben, sich auf eine Anhöhe ¬
begiebt, und von hier stromabwärts die Gegend, so
weit das Auge reicht, übersieht. Man wird nemlich alsdann
gewahr, daß diejenigen Stellen, die doch unbezweifelt niedriger ¬
liegen, eben so erscheinen, und daß es nicht anders
aussieht, als wenn die den Strom hinabfahrende Schiffe
sich an einer Anhöhe befänden, und bemühet wären, den
Gipfel zu erreichen *). Die Flüsse laufen irgend einem
Meere zu, weil nun der Ort, welchem das Wasser zufließt,
niedriger ist, als der, woher es kommt; so folgt, daß das
Meer die niedrigsten Stellen auf unserem Erdboden einnehmen ¬
müsse.
Dem St Pierre 2) scheinen die Pole die Quellen des
Meeres zu seyn. Er betrachtet die beiden Halbkugeln der
Erde als zwei Berge, die sich an ihrem Fuße unter dem Aequator ¬
mit einander vereinigen, und die Pole als die Gipfel
derselben. Diese bestehen nun, wie er glaubt, aus Gewölben ¬
von bloßem Eise, deren Höhe eine jede Erhabenheit des
Landes weit übertrifft, und welche machen, daß die Erde in
jener eiförmigen Gestalt erscheint, welche Tycho de Brahe
und Kepler ihr heilegen. Der Fuß dieses Eisgewölbes dehnt
sich am Nordpole mehr als zweitausend französische. Meilen,
und am Südpole noch weiter aus. Diese beiden Eismassen
vermehren nun die Gewässer des Oceans, wenn sie durch
die Wirkung der Sonne, die sie abwechselnd zum Theil
schmelzt, aufgelöset, in dasselbe einströmen: so wie diese Gewässer ¬
vermindert werden, wenn ein Theil davon durch die
1) Varenii geogr. gen. Ed. Amst. in 12. p. 132. seq.
*) Betrachtungen über die Natur. a. d. Franz. 1 Th. Görlitz 1796. 8
S. 199. 149.